By: jhollaender (jhollaender) 2003.10.17


- Starkes Comeback -
Und solange die SG einen Spieler wie Matthias Hahn in der Hinterhand hat, brauchen sich die Fans und der Trainer keine Sorgen um die Kreisläuferposition zu machen. Der 38-jährige Routinier, der zuletzt seinem Freund Holger Schneider geholfen hatte, als der Schweriner Trainer in seinem Zweitligateam Personalsorgen hatte, kam nach 20 Minuten, als Jonny Jensen zum 2. Mal mit einer Zwei-Minuten-Strafe auf die Bank musste, zu seinem vierten Comeback. Als sei er nie weg gewesen, spielte er seine Rolle als Kreisläufer mit Autorität und Torgefährlichkeit. Beim ersten Anspiel griff er sich den Ball mit einer Hand, eine energische Drehung und Nationaltorwart Carsten Lichtlein im TVG-Tor hatte keine Abwehrchance. Das war das am meisten umjubelte Tor der ganzen Partie. Bis zur Pause erhielt Hahn noch zwei weitere Male den Ball, erzielte einen weiteren Treffer und erkämpfte sich einen Strafwurf. Auch in der Deckung, im Mittelblock, agierte der "Oldie" sicher, auch wenn er nur auf der einen Seite mit Lars Krogh Jeppesen einen Mitspieler hatte, mit dem er schon zusammengespielt hat, auf der anderen Seite aber neue Gesichter (Lijewski, Thorsson, Moszczynski) neben sich hatte. So war das Sonderlob von Trainer Kent-Harry Andersson nach dem Spiel auch hochverdient. "Matthias Hahn hat ein unglaubliches Spiel gezeigt. Er hat alles richtig gemacht", sagte Andersson und fuhr scherzend fort: "Nur mit der Schnelligkeit hapert es ein bisschen, da werden wir mit ihm wohl in den nächsten zwei Wochen nur Schnelligkeitstraining machen müssen."
- Stryger treffsicher -
Auf den Außenpositionen sind die Rollen eindeutig verteilt. Auf Links ist Lars Christiansen weiter die unbestrittene Nummer eins, auch wenn der weltbeste Linksaußen noch nicht wieder zu alter Treffsicherheit, er verwarf den ersten Strafwurf, zurückgefunden hat. Die Nachwuchstalente Robert Runge und Frank Wahl kämpfen um die zweite Besetzung. Auf rechts zeigt sich Søren Stryger zur Zeit in blendender Verfassung. Die Kapitänsrolle scheint den ruhigen Dänen zu beflügeln. Nach dem Fehlwurf von Christiansen erwies sich Stryger nicht nur bei fünf Siebenmetern als treffsicher, sondern avancierte mit drei weiteren Feldtoren zum besten SG-Schützen des Abends. Publikumsliebling Stefan Schröder muss sich hier nicht nur aufgrund der derzeitigen Stärke seines Konkurrenten, sondern wohl auch wegen der eigenen Wurfschwäche, er trifft auch bei besten Gelegenheiten nicht mehr, mit der "zweiten Geige" begnügen.
- Talent mit Überblick -
Auch Spielmacher Joachim Boldsen konnte sich Ruhepausen gönnen, obwohl Christian Berge wegen seines Fingerbruches nach wie vor fehlte und wohl noch einige Wochen aussetzen muss. Es war schon beeindruckend, wie der erst 21-jährige Alexander Buchmann zwischenzeitlich die Rolle des Regisseurs übernahm und auch von seinen Mitspielern akzeptiert wurde. Der eher »spinkelig« wirkende Norweger zeigte viel Überblick und Spielverständnis. Er machte den Ball schnell, setzte seine Mitspieler gut ein und hatte ein gutes Auge für den Kreisläufer, was er mit Anspielen auf Matthias Hahn belegte. Kräftemäßig muss er noch zulegen, dann bekommen seine Würfe noch mehr Power und wird er in direkten Zweikämpfen noch schwerer zu bremsen sein.
- Im 500. Spiel stark -
Auf der Torhüterposition ist die SG Flensburg-Handewitt absolut top besetzt. Jan Holpert zeigte in seinem 500. Bundsligaspiel mit wieder über 20 Paraden eine Superleistung. Der Jubilar wartete außerdem mit einer Überaschung auf. Jan Holpert, der nach seinen Paraden normalerweise mit einem kurzen Pass die zweite Welle einleitet, glänzte gegen Großwallstadt mit fünf langen Pässen, die zu vier direkten Kontertoren führten, nur Pierre Thorsson wusste die genaue Vorlage nicht zu nutzen. Jan Holpert ist derzeit so stark, dass es schon verwunderlich ist, dass seine schon vor der WM in Portugal siganalisierte Bereitschaft wieder für die Nationalmannschaft zu spielen von Bundestrainer Heiner Brand zwar zur Kenntnis genommen wurde, er aber wohl nur mit einer Berufung in das Nationalteam und der Teilnahme an der Europameisterschaft in Slowenien im Januar rechnen kann, wenn sich einer der aktuellen Keeper der DHB-Auswahl (Henning Fritz, Christian Ramota oder Carsten Lichtlein) ernsthaft verletzen sollten. TVG-Keeper Carsten Lichtlein wurde am Mittwoch von Jan Holpert klar in den Schatten gestellt. Das heißt aber auch, dass sich FleHa-Neuzugang Dan Beutler genauso wie seine Vorgänger Andreas Bulei, Søren Haagen und Frode Scheie mit der Rolle des zweiten Mannes begnügen müssen, auch wenn Dan Beutler im Champions-League-Spiel bei Redbergslids Göteborg, seinem vorherigen Verein, eine überzeugende Leistung bot.
- Frühe Entscheidung -
Nach 2:0, einen kurzem Durchatmen zum 2:3 sorgte die SG mit Zwischenspurt zum 11:4 für eine frühe Entscheidung. Der Rest über 14:7 zum 16:9-Halbzeitstand und die gesamte zweite Hälfte bis zum 32:19-Endstand waren nur noch Formsache. Nachdem der TV Großwallstadt im letzten Jahr mit 23:34 die bis dahin höchste Niederlage der Vereinsgeschichte kassiert hatte, wurde jetzt mit 19:32 ein neuer Negativrekord erreicht. "Wir hatten gehofft, länger als nur zehn Minuten mithalten zu können. Die SG war heute einfach eine Nummer zu groß für uns. Für unseren jungen Spieler war diese bittere Niederlage eine gute Lehrstunde", kommtierte TVG-Trainer Peter Meisinger die Partie. FleHa-Coach Kent-Harry Andersson hatte besonders eine sehr gute erste Halbzeit gesehen und zog für das erste Viertel der Saison eine insgesamt positive Bilanz. "Bis auf die Niederlage gegen Magdeburg, an die wir aber überhaupt nicht mehr denken wollen, bis ich sehr zufrieden, auch wenn mit Christian Berge und Andrej Klimowets zwei Spieler fehlen, die in der Vorbereitung zu den ersten Sechs gehört haben", sagte Andersson.

SG Flensburg-Handewitt:
Beutler (n.e.), Holpert - Schröder, Moszczynski 1, Runge, Thorsson 1, Jensen 2, Christiansen 4, Stryger 8/5, Jeppesen 6, Lijewski 4, Boldsen 3, Buchmann 1, Hahn 2
TV Großwallstadt:
Lichtlein, Klier (31.-47.) - Litzinger, Hoffmann 1/1, Hettkamp 1, Gudjonsson, Fetser 1, Siemens 2, Grimm 2, Kunze 5, Bedzikowski 6, Wolff, Kunz, Jahns 1

Schiedsrichter: Joachim Ehlers/Heiko Schnarre (Köln/Hamm)
Zeitstrafen: 10:4-Minuten.
Strafwürfe: 6/5:3/1
Zuschauer: 5000

(Harald Jacobsen - FLENSBORG AVIS)

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