Handball Bundesliga Männer : Dietmar Kupfernagel (SG Ahlen) im Interview

_POSTEDBY jhollaender (jhollaender) on Thursday, 17. July 2008
Handball Bundesliga Männer

„Jugendliche fördern und fordern”
Seit 26 Jahren arbeitet Dietmar Kupfernagel verantwortlich im geschäftsführenden Vorstand der SG Ahlen. Dabei ist der Mann, der den Zweitligisten managt, gerade einmal 44 Jahre alt. Früher hat er selbst einmal gespielt. „Im Tor”, wie er sagt. Das macht er manchmal in der Altherrenmannschaft des Vereins auch heute noch. „Aber nur, wenn es die Zeit zulässt.” Die fehlt jedoch meist, weil Kupfernagel genug damit zu tun hat, sich um seine SG zu kümmern. Gerade zurzeit, da die Ahlener mehrer Projekte gleichzeitig anpacken. Erstligaufstieg, Hallenaus- und Neubau, WHV-Leistungszentrum – die ASG bearbeitet gegenwärtig diverse wichtige Themen. Arnulf Beckmann unterhielt sich mit dem Manager.

In Ahlen ist einiges in Bewegung geraten. Wohin geht der Weg der SG?
Kupfernagel:
Gute Frage. Sicher ist es so, mit der Entscheidung für einen neuen Trainer auch neue Wege gehen zu wollen. Mit Jens Pfänder haben wir einen absoluten Fachmann verpflichtet, der die 1. und die 2. Liga kennt. Seine Qualitäten stehen außer Frage. Pfänder ist Bundeslehrwart, er schult die A-Trainer. Für mich ist er der richtige Mann, ein Glücksgriff.

Dennoch kam die Trennung von Diethardt von Boenigk für viele überraschend.
Kupfernagel:
Ich möchte nicht nachkarten. Was wir wollten, war so nicht zu realisieren und in der Intensität nicht leistbar. Diedel ist ein richtiger Toptyp, aber auch er hat die Situation so erkannt und hatte die gleiche Sichtweise wie wir.

Ist denn die Verpflichtung des neuen Coaches das Zeichen für den Sturm auf die 1. Liga?
Kupfernagel:
Das kann ich bejahen. Mittelfristig wollen wir in die 1. Liga aufsteigen. Das aber bedingt, dass wir zunächst einmal die Voraussetzungen dafür schaffen. Wir wissen alle, dass der Weg weit ist. Aber wir haben Zeit und wollen nichts erzwingen. Wir arbeiten einfach weiter an der kontinuierlichen Professionalisierung des Umfeldes und des Teams.

Soll denn in dieser Saison schon angegriffen werden?
Kupfernagel:
Neben der Ausnahmemannschaft vom TuS N-Lübbecke, die für mich favorisiert ist, gibt es sechs bis sieben Teams, die in etwa auf dem gleichen Leistungsniveau kämpfen. Ich gehe davon aus, dass wir den einen oder anderen dieser Gegner auch mal weghauen – vor allem daheim –, sodass es wunderbar wäre, wenn wir Vierter werden könnten. Sollte es nur der fünfte oder der sechste Rang sein, ist das auch in Ordnung. Wir wollen eine Saison spielen, auf der wir aufbauen können.

Fällt es da sehr ins Gewicht, dass der Lokalrivale aus dem nur wenige Kilometer entfernten Hamm soeben mit einer neuen, großen Halle zum Angriff geblasen hat?
Kupfernagel:
Sicher ist Hamm ein Konkurrent, der sich aufgemacht hat, das erklärte Ziel 1. Liga zu erreichen. Und sicher macht uns Hamm in aller sportlichen Freundschaft Konkurrenz im Kampf um die Sponsoren in dieser Region. Doch wir haben uns in neun Zweitligajahren kontinuierlich von unten nach oben gearbeitet und gehören nun zum Spitzendrittel. Hamm hingegen ist so etwas wie ein Senkrechtstarter. Da bleibt es abzuwarten, wie viel Nachhaltigkeit das Projekt besitzt.

Eine große Halle aber scheint ein Trumpf zu sein. Wie weit sind diesbezüglich die Pläne der SG gediehen?
Kupfernagel:
Schon seit zwei, drei Jahren planen wir einen Aus- und Neubau der Friedrich-Ebert-Halle. Dabei soll die bisherige Halle auf eine Kapazität von 2.700 bis 3.200 Plätzen erweitert werden und in unmittelbarer Nachbarschaft eine reine Trainingshalle mit direktem Zugang zur Haupthalle entstehen. Ganz sicher wird angesichts mangelnder Hallenzeiten in Ahlen auch der Schulsport davon profitieren.

Und? Wann wird gebaut?
Kupfernagel:
Wir sind derzeit in Gesprächen mit der Stadt. Die Signale sind positiv, weil das angedachte Modell eine Lösung mit Mehrwert darstellt. Unter dem Gesichtspunkt der Effektivität könnte die Multifunktionshalle dann eben auch für andere Sachen genutzt werden. Wenn alle zustimmen, könnten wir bereits im Spätherbst loslegen und schon ab der Saison 2009/2010 den Betrieb der Halle aufnehmen.

Es war zu hören, dass Ahlen Leistungszentrum des Westdeutschen Handballverbandes werden soll.
Kupfernagel:
Das ist bereits geschehen. Der Bescheid darüber erreichte uns schon in der vorletzten Woche. Wir sind damit neben Dormagen, Gummersbach und Minden das vierte Leistungszentrum im Bereich des WHV – und unter lauter Erstligisten der einzige Zweitligastandort. Wir wollen nun junge, talentierte Leute ausbilden. Mit der neuen Halle hätten wir dann sogar noch weitaus bessere Voraussetzungen.

Bleibt es in diesem Leistungszentrum bei der handballerischen Ausbildung oder werden die jungen Leute sowohl schulisch als auch beruflich gefördert?
Kupfernagel:
Die schulische und die berufliche Förderung ist eine der wichtigsten Säulen des gesamten Konzepts. Anders kann man den Eltern die ganze Sache doch gar nicht vermitteln. Wenn die Jugendlichen hier vier bis fünf Mal in der Woche trainieren sollen, dann muss auch mindestens eine Hausaufgabenbetreuung gewährleistet sein. Wir wollen für den Nachwuchs so eine Art Tagesinternat sein. Möglicherweise bauen wir das eines Tages sogar zu einem Vollinternat nach Magdeburger Vorbild aus.

In Sachen beruflicher Förderung sind Sie auf die Mithilfe hiesiger Firmen angewiesen.
Kupfernagel:
Das funktioniert so gut, dass wir durchaus in der Lage sind Ausbildungs- und Praktikaplätze zu vermitteln. Schöner aber ist noch das soziale Projekt, dass Bernie Recker, unser Abteilungsleiter, ins Leben gerufen hat und unter dem Kürzel KGV firmiert. KGV steht für „Keiner geht verloren”. Dabei geht es um Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, sich im Leben zurecht zu finden und von uns Unterstützung erhalten. Wir holen sie zum Handball und helfen bei Schulabschluss und Jobsuche.

Der Verein wird auf beeindruckende Weise seiner Verpflichtung zum sozialen Engagement gerecht.
Kupfernagel:
Wir sind ein Verein mit mehr als 2.000 Mitgliedern. Natürlich wollen wir unsere Sozialkompetenz unter Beweis stellen. Spitzensport ist wichtig – ohne Frage. Auch, weil sich Jugendliche an ihren Idolen orientieren. Aber wir haben uns auch dafür entschieden, mit großer Verantwortung Jugendliche zu fördern und zu fordern.