Gleich am ersten Tag der am Montag gestarteten Olympiavorbereitung der deutschen Handballer sorgte Bundestrainer Heiner Brand für Klarheit: „Ich habe mich entschlossen, Christian Schwarzer als Kreisläufer für Peking zu nominieren.“ Damit wird der Konkurrenzkampf der in Köln versammelten 22 Nationalspieler noch eine Spur intensiver. Nur 14 Spieler dürfen ins Olympische Dorf. Der vorläufige Beschluss der Internationalen Handball Federation, bis zum Viertelfinale noch einen Spieler nachnominieren zu können, bewog den Bundestrainer zum Entschluss, bis zu 17 Spieler mit nach China zu nehmen. Dennoch, der Kampf um die Olympiatickets wurde durch die Benennung Schwarzers noch einmal angeheizt.
Vor gut 14 Tagen nahm Heiner Brand Kontakt zu dem 38 Jahre alten Kreisläufer auf, versuchte, ihn für seine Idee zu begeistern. „Blacky zählte in der abgelaufenen Saison zu den besten Kreisläufern der Liga. Zudem entstand dadurch, dass Markus Baur seinen Olympia-Verzicht erklären musste, eine veränderte Situation in der Führungsstruktur unserer Mannschaft. Und Blacky erwies sich schon bei der WM 2007 als wichtiger Leader, der entscheidende Impulse zu setzen vermochte“, sagt Heiner Brand.
Eine Woche nahm sich Christian Schwarzer, der für die Rhein-Neckar Löwen spielt, Zeit für seine Entscheidung. „Das war äußerst schwierig“, berichtete er. Seine Familie, Bekannte und Freunde wurden zurate gezogen. „Auf der einen Seite konnte ich mich sehr gut in die Situation jener Spieler versetzen, die ihren Traum von Olympia hegen, und dann wegen meiner Nominierung nicht nach Peking fahren. Auf der anderen Seite will ich natürlich der Mannschaft helfen und Heiner nicht im Stich lassen. Die Zeiten in der Nationalmannschaft waren die schönsten meiner Karriere, wir haben viel Spaß gehabt und viel erreicht“, meint Schwarzer, der in 310 Länderspielen 949 Tore erzielte und nach dem Gewinn des WM-Titels 2007 zurückgetreten war. Am Ende seiner Überlegungen stand für Schwarzer fest: „Ich nehme das Abenteuer Olympia zum vierten Mal in Angriff. Ich habe gesagt, dass ich bereit bin, wenn Not am Mann ist. Jetzt werde ich zu meinem Wort stehen.“ Der Kreisläufer wird in einem Monat, am 9. Juli, zum deutschen Nationalteam stoßen und beim Vorbereitungslehrgang in Meran/Südtirol das Training mit der Mannschaft aufnehmen.