Handball Bundesliga Männer : Lars Reckwitz (Sportfive) im Interview: In über 50 Ländern sind wir live zu sehen

_POSTEDBY Jörg Holländer (jhollaender) on Friday, 06. June 2008
Handball Bundesliga Männer

Lars Reckwitz, 39 Jahre alt, ist im Hause von Sportfive als Vice President TV & Media Rights seit dem 1. Mai 2007 verantwortlich für das Projekt sportdigital.tv, eine Plattform, die Zielgruppensportarten, insbesondere Handball und Basketball, ein ganzheitliches Medienkonzept zur Verfügung stellt. Vor allem aus Sicht der TOYOTA HBL darf das Projekt schon nach etwas mehr als einem Jahr als gelungen gelten. Arnulf Beckmann sprach mit Lars Reckwitz.

Seit einem Jahr gibt es nun hbl.tv. Sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden?
Reckwitz:
Es geht natürlich immer noch ein wenig besser. Aber für das, was wir in einem Jahr erreicht haben, brauchen andere deutlich länger. Wir haben hier mit massivem Einsatz und unter der Devise, dass alle an einem Strang ziehen, wirklich viel erreicht.

Mit anderen Worten: Ihre Zuschauer können Sie schon lange nicht mehr persönlich begrüßen.
Reckwitz:
Schon lange nicht. Es war lediglich am Anfang schwierig, ein proof of concept zu schaffen und die Innovationshürde zu überspringen. Mit dem Weg ins Satellitenfernsehen haben wir das aber geschafft. Jetzt kommen auch die Kabelbetreiber auf uns zu. So ist das aber oft: Ist die erste Mauer gefallen, stürzen die anderen fast von allein ein.

Auch die Qualität hat sich deutlich verbessert. Die Zeiten des Ruckel-TV sind lange vorbei.
Reckwitz:
Abgesehen davon, dass wir als richtiger Fernsehsender nun ganz andere Möglichkeiten haben, hat sich auch die Qualität unserer Übertragungen im Internet deutlich verbessert. Aber es gibt eben auch immer noch Dinge, auf die wir keinen Zugriff haben. Wenn beispielsweise die Basketballer von Quakenbrück auswärts spielen, dann kann es passieren, dass in dem kleinen Dorf alle Leitungen wegen Überlastung zusammenbrechen. Das liegt nicht an uns, sondern an den technischen Standards vor Ort.

Hat Ihnen der Empfang über Satelliten-TV zusätzliche Reichweiten und Zuschauer beschert?
Reckwitz:
Absolut. In Nordrhein-Westfalen und Hessen sind wir auch bereits über Kabel empfangbar. Und Baden-Württemberg soll am 1. Juli folgen. Auch in den übrigen Bundesländern soll sportdigital.tv bis zum Jahresende über Kabel empfangbar sein.

Wie groß ist eigentlich der Aufwand, den Sie für die Produktion eines Spiels betreiben?
Reckwitz:
Wir haben gewisse Qualitätsstandards festgelegt, die wir bei keinem Spiel unterschreiten. Das heißt auch, dass wir kein Spiel kategorisieren. Diese Mindeststandards sind allemal so hoch, dass wir jeden Pay-TV-Sender mit einwandfreien TV-Bildern beliefern können. Es sind immer mindestens fünf Kameras vor Ort, in Einzelfällen kommen wir sogar mit 14, 15 Kameras in die Halle. Die Bilder werden immer so produziert, dass wir sie weltweit verkaufen können.

Aus Sicht der Liga ist die Frage der Auslandsvermarktung ganz sicher interessant. Wie weit sind Sie da?
Reckwitz:
Die TOYOTA-HBL und auch die Nationalmannschaft haben uns mit ihren Erfolgen wesentlich geholfen, die Bilder weltweit zu vermarkten. In über 50 Ländern dieser Erde sind wir live zu sehen. Manche Sender übernehmen unser komplettes Angebot, andere wiederum picken sich ein oder zwei Matches als Highlight heraus. Und eins ist auch sicher: Es wird nicht weniger, sondern täglich mehr.

Zu nahezu jedem Spiel laden Sie Experten als Gast-Kommentator ein. Wer war denn schon alles bei Ihnen?
Reckwitz:
Da müssten Sie einmal unser Guestbook auf unserer Homepage besuchen. Wir hatten aktibe Bundesligaspieler da, wenn sie einmal verletzt waren und zeit hatten zu kommentieren, wir hatten die alten und gestandenen Handballstars früherer Zeiten da und wir hatten sogar schon Bundestrainer Heiner Brand bei uns. Insgesamt gastierten bei uns im ersten Jahr über 100 Gastkommentatoren. Das Erfreuliche ist, dass wir auf allen Ebenen extrem positiv wahrgenommen werden.

Für das öffentlich-rechtliche Magazin Liga 1 kooperieren Sie in Sachen Produktion mit NDR und WDR und produzieren für die Sendung ein Match. Sind Sie zufrieden mit der Zusammenarbeit?
Reckwitz:
Das ist eine sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit. Alle Beteiligten gestalten im Sinne der gemeinsamen Sache Handball die Kooperation flexibel und pragmatisch. Man hilft sich in der jeweiligen aktuellen Produktion vom Kabel bis hin zur Satellitenstrecke. Natürlich will man am ende eines Tages auch den wirtschaftlichen Nutzen sehen. Aber wir hatten von allem Anfang an eine klare Zielsetzung, die schon ein gewaltiges Investment bedeutete und dabei aber auch ganz im Sinne unserer Marketingpartner wie beispielsweise TOYOTA ausgerichtet ist.

Mittlerweile gibt es bereits ein begleitendes Magazin mit dem Titel Die Woche. Wie wird denn das von den Zuschauern angenommen.
Reckwitz:
Unsere Spieltagszusammenfassung läuft regelmäßig am Sonntagabend und ist für all unsere Kunden gedacht, die möglicherweise die aus ihrer Sicht entscheidenden Spiele verpasst haben oder einfach rasch informiert werden wollen. Da laufen drei- bis fünfminütige Spielzusammenfassungen vom jeweiligen Spieltag. Und das alles in einer Abruffunktion, so dass niemand an konkrete Zeiten gebunden ist. Das wird sehr positiv angenommen.

Was die Handballer besonders interessiert: Schneidet hbl.tv in der Rechnung besser ab als die Basket- und Volleyballer?
Reckwitz:
Alles zusammen genommen stellen die Handballzuschauer natürlich die mit Abstand größte Gruppe. Was die Abrufzahlen im Internet angeht, gibt es vergleichbare Werte zwischen Basketball und Handball. Aber insgesamt ist der Handball absolut dominierend.