In der heutigen Begegnung gegen die HSG Wetzlar stand für den WHV das „erste Endspiel“ im Rennen um den Klassenerhalt an. Am Ende sollten die 2.416 Zuschauer wohl noch lange über das Spiel gesprochen haben, denn in einer dramatischen Endphase stand bei den WHV- Anhängern ein bitterer nach Hause Weg an.
Zu Beginn der Partie stand beim WHV die schon aus den letzten Spielen gewohnte Stammformation auf der Platte. So begannen Gylfi Gylfason, Michael Binder, Oliver Köhrmann, Renato Rui, Mirza Cehajic (am Kreis) und Sven-Sören Christophersen. Einzig auf der Torhüterposition überraschte Klaus-Dieter Petersen mit der Hereinnahme von Holger Eilts, der nach eineinhalb Jahren sein erstes Spiel bestritt. Dem gegenüber standen auf Seiten der HSG Timo Salzer, Michael Allendorf, Sebastian Weber, Vlatko Mitkov, Volker Michel und Timo Ludwig. Im Tor agierte Zoran Djordjic.
Nach einer von vielen Fehlern auf beiden Seiten geprägten Anfangsphase sollte Tobias Schröder per Siebenmeter in der dritten Minute die 1:0 Führung gelingen. Jedoch kam in der Folge Wetzlar auch dank einer guten 6:0 bzw. 5:1 Abwehr zu Ballgewinnen und ging folgerichtig mit 1:3 (6:49) in Führung. Der WHV kämpfte aber von der ersten Minute um jeden Ball und kam dank einer nicht minder aggressiven 6:0 Abwehr zurück. Über 3:3 in der 8. Minute durch Sven-Sören Christophersen sollte wiederum „Smörre“ dafür sorgen, dass der WHV in der 10.Minute mit 6:3 in Führung ging. Schon jetzt standen die Zuschauer in der fast ausverkauften Nordfrost Arena und sorgten auch in der Folge für Gänsehautstimmung. Bis zur 23.Minute sollte der WHV seinen Vorsprung halten (10:8), da nach wie vor die Abwehr mit einem guten Holger Eilts stand und man zudem durch Wetzlarer Fehler zu Toren kam. Jedoch schlichen sich auch in das Spiel des WHV einige Fehler in Form von Fehlwürfen ein, die Wetzlar eiskalt ausnutzte. Dabei kam man zumeist über den Kreis in Person von Sebastian Weber oder aus dem Rückraum durch Volker Michel zu Torerfolgen und glich nicht nur dadurch in der 26.Minute zum 11:11 aus. Die HSG sollte in den letzten zwei Minuten bedingt durch zwei WHV- Fehler sogar mit einer zwei Tore Führung in die Kabine gehen (12:14).
In der zweiten Halbzeit, in der Adam Weiner im WHV- Tor stand, sollte dieser auch gleich im Fokus stehen. So hielt Adam nicht nur gleich zwei Bälle, sondern entschärfte in der 33.Minute gleich einen Wetzlarer Tempogegenstoß. Jedoch nutzte der WHV die sich bietenden Chancen nur bedingt aus, so dass Wetzlar bis zur 37. Minute seinen Vorsprung hielt (14:16), ehe die HSG sich eine zwei Minuten Strafe gegen Timo Ludwig einhandelte. Diese Überzahlsituation nutzte der WHV eiskalt aus und ging nach einem 3:0 Lauf durch einen Treffer des starken Mirza Cehajic am Kreis wieder mit 17:16 (39:57) in Führung. Wetzlar blieb jedoch dran und so entwickelte sich eine enge und spannende Partie. Zwischen der 43. und 45. Minute zog dann ein nach wie vor unbändig kämpfender WHV erstmals mit drei Toren davon (21:18) und hielt diesen Vorsprung bis zur 50.Minute. Unter dem Jubel der Zuschauer sollte man sogar den Vorsprung noch weiter ausbauen, wofür der starke Sven-Sören Christophersen sorgte. Trotz Zeitspiel und in der Folge einer Unterzahlsituation sorgte er in der 54. Minute für den viel umjubelten 25:20 Führungstreffer. Jedoch sollte es nicht schon die Vorentscheidung der Partie sein, da nun eine an Dramatik kaum zu überbietende Schlussphase folgte. Mit einer offensiven Deckung versuchte nun Wetzlar alles, was auch gelingen sollte. So kam die HSG auch bedingt durch Fehlwürfe des WHV wieder zurück ins Spiel. Mit Tempogegenstößen verkürzte man den WHV- Vorsprung Tor um Tor, so dass der WHV in der 58.Minute nur noch mit 26:25 führte. Dramatik sollte nun die letzten zwei Minuten prägen. Erst sorgte Sven-Sören Christophersen 71 Sekunden vor dem Ende trotz Zeitspiel für die 27:25 Führung und die Halle bebte. Im Gegenzug besorgte jedoch Vlatko Mitkov 56 Sekunden vor dem Ende das 27:26. Den nun folgenden letzten WHV-Angriff spielte man bis 15 Sekunden vor dem Ende aus, ehe Sven-Sören Christophersen an Zoran Djordjic scheiterte. Dieser stürmte nun mit nach vorne mit dem Ziel des Ausgleichs und irgendwie kam dann der Ball zu Gregor Werum, der drei Sekunden vor dem Ende über den liegenden Adam Weiner den Ball zum 27:27 ins Tor beförderte. Die zuvor bebende Nordfrost-Arena verstummte und es folgte nur noch lähmendes Entsetzen, einzig die HSG- Spieler jubelten. BITTER, so denkt sicherlich jeder WHV- Fan, da womöglich dieser entscheidende Punkt im Rennen um den Klassenerhalt fehlt.
Stimmen zum Spiel:
Volker Mudrow (Trainer HSG Wetzlar): Ich denke, dass Sie und wir auf der Bank ein spannendes Spiel gesehen haben. Wir haben heute einen glücklichen Punktgewinn errungen, da wir erst in der Schlusssekunde den Ausgleich schafften. Jedoch ist das Ergebnis gerecht, da uns dasselbe Schicksal im Hinspiel erreicht hat. Heute kann ich etwas leichter sprechen. Wir haben heute zwei Mannschaften auf Augenhöhe gesehen, jedoch haben wir nun 21 Punkte und sind so gut wie gerettet. Der WHV hingegen hat nun 13 Punkte und braucht jeden Punkt. Zum Spiel kann ich eigentlich nur wenig Positives sagen. So hat meine Mannschaft 10 Minuten vor Schluss mit 21:25 zurückgelegen. Jedoch hat die Moral und die Einstellung gestimmt, wofür ich ihr ein großes Kompliment ausspreche. So haben wir alles versucht, auch mit 3-4 Abwehrumstellungen. Jedoch gibt es heute auch viele Kritikpunkte. Wir haben unnötige 2 Minuten Strafen kassiert, wo wir cleverer agieren müssen, wobei Renato Rui diese auch gut herausgeholt hat. Ich wünsche Pitti in den weiteren Spielen viel Glück. Wir standen letzte Saison nach dem WHV- Spiel mit dem Rücken an der Wand und waren praktisch abgestiegen. Am letzten Spieltag haben wir dann gegen Magdeburg gewonnen und haben dadurch den Klassenerhalt geschafft. Es war jedoch harte Arbeit.
Klaus-Dieter Petersen (Trainer Wilhelmshavener HV): Herzlichen Glückwunsch an Volker Mudrow zum Punktgewinn. Wie er schon gesagt hat, Wunder gibt es immer wieder. Wir brauchen laut Aussage des Hallensprechers 7 Punkte. Heute haben wir einen geholt und müssen nun noch drei Spiele gewinnen. In der Anfangsphase hat die Mannschaft den Willen gezeigt. Zudem hat Holger Eilts nach eineinhalb Jahren eine tolle Leistung erbracht, dafür herzlichen Glückwunsch. Dadurch hatten wir einen sicheren Rückhalt und sind durch Tempospiel zu schnellen Toren gekommen. Dann haben wir jedoch hinten das Tempo raus genommen und Wetzlar spielen lassen. Durch dieses flache Tempo sind wir mit einem zwei Tore Rückstand in die Kabine gegangen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns auch dank einer guten Leistung von Adam Weiner einen fünf Tore Vorsprung erspielt. Dann haben wir jedoch den Vorsprung aus der Hand gegeben. So hatten meine Spieler die Tabellensituation vor Augen und haben dann einige Bälle weggeworfen. Wir fahren nun nach Berlin und Melsungen, um dort an diesen Punktgewinn anzuschließen.
Wilhelmshavener HV: HSG Wetzlar 27:27 (12:14)
WHV:
Eilts (1.-30. 4 Paraden), Weiner (30.-60. 7 Paraden),
Christophersen 9, O. Köhrmann 5/3, Cehajic 4, C. Köhrmann 3, Schröder 2/2, Gylfason 2, Rui 1, Binder 1, Bonath (n.e.)
HSG Wetzlar:
Djordic (1.-10./51.-60. 7 Paraden), N. Weber (11.-30./30.-50. 4 Paraden ),
Allendorf 7/3, Michel 6, Ivankovic 4, Werum 4, S. Weber 4, Mitkov 1, Salzer 1, Ludwig, Mraz, Chalkidis, Schmidt (n.e.), Schneider (n.e.), P. Djordjic (n.e.)
Zuschauer: 2.416
Schiedsrichter: Andler/ Andler
Strafminuten: 8 (C. Köhrmann, O. Köhrmann, Schröder, Binder)/ 12 (Chalkidis (3), S.Weber (2), Ludwig)
Siebenmeter: 7/ 5 (Schröder scheitert an Weber, C. Köhrmann trifft Pfosten)– 4/ 3 (Allendorf scheitert an Weiner)
Besondere Vorkommnisse: Rote Karte Chalkidis (41. Minute) (dritte Zeitstrafe)