DHB : "Nur eine Olympia-Vorbereitung mit komplettem Kader lässt Chance auf eine Medaille"

_POSTEDBY Jörg Holländer (jhollaender) on Tuesday, 25. March 2008
DHB

Interview mit DHB-Vize-Präsident Horst Bredemeier, der die Männer-Nationalmannschaft und die A-Jugend in den vergangenen Woche in Innsbruck begleitete. Gleichzeitig informierte er sich aber auch immer wieder über das Abschneiden der gleichzeitig spielenden Juniorinnen und Junioren bei ihren Qualifikations-Turnieren.

Neben der Männer-Nationalmannschaft waren an diesem Wochenende weitere Auswahl-Mannschaften des DHB aktiv. Die Juniorinnen qualifizierten sich für die kommende Weltmeisterschaft, die Junioren für die nächste Europameisterschaft und die männliche A-Jugend gewann souverän das Vier-Nationen-Turnier in Innsbruck.

„Das passt genau ins Bild des deutschen Handballs der letzten Jahre, in denen wir in den verschiedenen Auswahl-Mannschaften sehr erfolgreich agierten. Das entspricht auch dem Anspruchsdenken des DHB und spiegelt zudem die hochwertige Nachwuchsarbeit wider.“

Weniger erfolgreich agierte an diesem Wochenende das Weltmeisterteam von Heiner Brand, das beim Vier-Länder-Turnier in Innsbruck nur den 3. Platz belegen konnte.
„Die reinen Ergebnisse haben für uns keine Aussagekraft. Dem Bundestrainer war wichtig, junge Spieler zu testen. Ginge es ihm vornehmlich um Ergebnisse, hätte er die wenigen Stammspieler wie Glandorf, Klimovets, Klein oder andere bei diesem Turnier länger spielen lassen. Aber er wollte zum einen diese Spieler nicht verheizen und zum anderen die Leistungsfähigkeit der nachdrängenden, jungen Spieler im internationalen Vergleich sehen. Er hat somit aus der Not eine Tugend gemacht, da wir im Gegensatz zu anderen Top-Nationen nicht in Bestbesetzung antreten konnten.“

Es fällt auf, dass die Konkurrenten, die an diesem Wochenende ebenfalls aktiv waren, ausnahmslos mit kompletten Kadern antraten. Wie ist das zu erklären?
„Das ist richtig. Ob Frankreich, Schweden, Russland, Tschechien, die Dänen oder die Polen, da fehlte kaum einer der Stars. Unsere Mannschaft dagegen musste ohne sieben Weltmeister auskommen. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass unsere Aktiven alle in der heimischen Bundesliga unter Vertrag stehen und sich folgerichtig oft sehen. Für die Spieler anderer Nationen dagegen ist es immer ein besonderes Erlebnis, in ihre Heimat und in den Kreis ihrer Nationalmannschafts-Kollegen zurückzukehren. Aber wenn wir bei Olympia eine Medaillenchance haben möchten, müssen auch wir die Vorbereitung in kompletter Besetzung bestreiten.“

Geriet so das Vier-Nationen-Turnier in Innsbruck aus deutscher Sicht zum Muster ohne Wert?
„Nein, ganz sicher nicht. Der Bundestrainer wird voraussichtlich mit 20 Spielern die Olympia-Vorbereitung angehen. Wir brauchen eine möglichst breite Bank. Wer weiß, was in der Endphase der Bundesliga-Saison und in der siebenwöchigen Vorbereitung noch alles geschehen kann. Vor Verletzungen ist man da nie gefeit, was dann wieder zu Abweichungen im Wunschkader führen würde. Es ist wichtig, dass wir möglichst viele Spieler auf hohem Level haben, um echte Konkurrenz-Situationen bei der Vergabe der Olympia-Tickets zu erzielen.“

Ein Blick zur Frauen-Nationalmannschaft, die am Wochenende in Leipzig die Chance hat, sich ebenfalls für die Olympischen zu qualifizieren.
„Die Mannschaft von Bundestrainer Armin Emrich hat sich in den letzten Jahren in der Weltspitze etabliert, was sich nicht allein am 3. Platz bei der letzten Weltmeisterschaft in Frankreich festmachen lässt. Diesen Trend will der DHB untermauern und ist deshalb das finanzielle Risiko eingegangen, das Olympia-Qualifikationsturnier mit Kroatien, Schweden und Kuba in Leipzig auszutragen. Ich bin sicher, dass die Mannschaft das Potential hat, diese Aufgabe erfolgreich zu meistern und ihre Position in der Weltspitze zu zementieren.“