By: Jörg Holländer (jhollaender) 2007.10.30

Unentschieden sind im Handball keinesfalls an der Tagesordnung, an zuvor neun Spieltagen hatte es lediglich am dritten Spieltag zwischen der TSG Ketsch und dem Buxtehuder SV ein Unentschieden gegeben, am zehnten Spieltag kamen gleich drei weitere hinzu. Von den 3.864 Zuschauern in der Arena Leipzig hatte beim Stand von 25:17 in der 38. Spielminute wohl keiner mehr ein Unentschieden auf der Liste der möglichen Ausgänge des Spiels. Doch eine offensivere Deckung des Teams von Renate Wolf brachte die Gäste aus Leverkusen zurück ins Spiel. "Wir sind zu wenig ohne Ball gelaufen und haben deshalb noch den Sieg aus der Hand gegeben", analysierte HCL-Spielerin Ulrike Stange. Vor allem die kurze Deckung der Leverkusenerinnen gegen Ingrida Radzeviciute machte den Leipzigerinnen zu schaffen, auch, weil mit Karolina Kudlacz eine wichtige Alternative im Rückraum verletzungsbedingt ausfiel. Nach dem Ausgleich durch Laura Steinbach hielt Nationaltorhüterin Clara Woltering am Ende das Unentschieden für Leverkusen fest. "Wir haben sicherlich einen Punkt verloren. Aber unsere Leistung hat mich trotzdem überzeugt - es hatte alles gepasst, bis auf das Ergebnis", so HCL-Coach Morten Arvidsson nach dem begeisternden Spiel. Seine Gegenüber Renate Wolf zeigte sich mit der Punkteteilung einverstanden: "Zum Schluss hatten wir das glücklichere Ende und so können wir mit dem Punkt sehr zufrieden sein!"

Jubeln durfte über das Unentschieden auch der 1. FC Nürnberg, der am Mittwoch vorgelegt hatte. "Wir haben in entscheiden Phasen zu viele kleinere Fehler gemacht, aus denen Nürnberg den entscheidenden Nutzen gezogen hat", konstatierte Dago Leukefeld, Trainer des Thüringer HC nach der knappen 29:31-Niederlage gegen Nürnberg. Für die Nürnbergerinnen war es aber nur die erste Aufgabe in dieser Woche, am Samstag wartete im ersten Spiel in der Gruppenphase der Champions League mit dem russischen Titelanwärter Zvezda Zvenigorod ein harter Brocken. Doch mit unbändigem Kampf hielten die Gastgeberinnen das Spiel gegen die physisch überlegenen Russinnen offen und wurden am Ende mit einem Punkt belohnt. Hätte der letzte Wurf von Miriam Simakova den Weg über die Linie des russischen Tores gefunden, hätte sogar ein sensationeller Sieg zu Buche gestanden. Doch die Nürnbergerinnen zeigten sich auch angesichts des Punktgewinns überglücklich, schließlich bietet dieser nun eine gute Ausgangsposition um die nächste Runde zu erreichen. "Das Ergebnis ist sensationell. Die Deckung stand stabil. In der ersten Halbzeit konnten wir die russischen Kreisläuferinnen noch nicht optimal in den Griff bekommen. Das war in der zweiten Halbzeit viel besser", freute sich Nürnbergs Coach Herbert Müller.

Hinter dem Top-Trio festigte unterdessen die DJK/MJC Trier den für die Play-offs entscheidenden vierten Tabellenplatz. Vor 950 Zuschauern lag Trier fast über die gesamte Spielzeit in Führung, doch die Gäste aus Buxtehude ließen sich auch von einem zwischenzeitlichen 9:15-Rückstand nicht entmutigen, beim 17:15 waren sie bereits vor dem Seitenwechsel zurück im Spiel. Auch nach dem 16:22 kämpfte sich Buxtehude wieder bis auf 21:24 heran, doch Trier erstickte die aufkeimende Hoffnung auf der Bank der Gäste im Keim und gewann am Ende verdient mit 33:28 gegen den direkten Konkurrenten im Kampf um den vierten Tabellenplatz. Durch den Erfolg konnte Trier den Abstand auf fünf Punkte ausbauen.

Als Tabellenfünfter ist nun der FHC Frankfurt/Oder schärfster Verfolger der Trierinnen. "Das war ein schlechtes Spiel von uns, in dem wir unsere Chancen nicht genutzt haben. Dann auch noch dieser unglückliche Pass, der uns einen Punkt kostet. Aber das Ergebnis geht hundertprozentig in Ordnung", so Dietmar Schmidt nach Spielende. Den "unglücklichen" Pass hatte Sekunden vor Spielende ausgerechnet die frühere Frankfurterinnen Raissa Tikhonovitch abgefangen und zu einem Gegenstoß zum 26:26-Endstand genutzt. Tikhonovitch sorgte so für einen Einstand nach Maß für ihren neuen Trainer Lazar Cojacar. "Ich bin natürlich überglücklich", so Cojocar, der das Team erst zu Wochenbeginn nach dem Rücktritt von Peter David übernommen hatte. Mit fünf Punkten liegt Sulzbach/Leidersbach zwar weiterhin auf dem vorletzten Tabellenplatz, doch das untere Mittelfeld ist in Reichweite.

Im Mittelfeld rangieren derzeit der VfL Oldenburg und die HSG Blomberg-Lippe. Mit sechs Niederlagen in Folge ist der frühere Tabellenführer Oldenburg in der Tabelle weit abgerutscht, in Blomberg sollte eine Trendwende erfolgen. Doch lange Zeit legten die Gastgeberinnen jeweils vor, führten mit bis zu drei Toren. Beim 17:13 war die Differenz dann sogar auf vier Tore angewachsen, doch nur etwas mehr als vier Minuten benötigten die Gäste aus Oldenburg, die eine Überzahlsituation konsequent nutzten, um beim 17:17 den Ausgleich zu erzielen. Zwei Minuten vor Spielende führe Oldenburg sogar mit 22:21, doch Katrin Dorna sicherte den Hausherrinnen dann den verdienten Punktgewinn.

Oldenburg und Blomberg haben sieben Pluspunkte auf dem Konto, auf diesen Wert verbesserte sich auch die TSG Ketsch, die erneut ihre Heimstärke unter Beweis stellte. Bis zum 21:19, Birute Stellbrink, mit acht Toren am Ende auch beste Werferin Beyeröhdes, hatte getroffen, war die Begegnung ausgeglichen. Dann aber konnte Ketsch in der Schlussphase das Tempo anziehen und Beyeröhde abschütteln. Ein Doppelschlag von Maike Brückmann sorgte für die Vorentscheidung und Annick Bosshart erstickte mit ihrem Treffer zum 24:19 die letzten Hoffnungen der Gäste. Nach der 21:28-Niederlage verbleibt Beyeröhde mit zwei Punkten auf dem letzten Tabellenplatz, Ketsch liegt mit sieben Pluspunkten auf dem rettenden zehnten Platz.